Costa del Sol 2025
An der Costa del Sol war es zuerst das Licht, das mich getroffen hat. Hart, großzügig, fast den ganzen Tag da, als würde die Sonne einfach nicht so richtig Feierabend machen wollen. 2025, Kamera umhängen, loslaufen. Ich bin diese Wege an der Küste entlang, ohne großes Ziel, einfach weiter, bis die Füße meckern und der Kopf ruhig wird. Promenaden, Palmen, Cafés, Schatteninseln, in denen man kurz durchatmet. Selbst wenn ich nicht fotografiere, sortiert mein Blick schon Bilder. Sonne auf Kacheln, Spiegelungen in Fenstern, Leute, die Richtung Meer treiben, als wäre das der natürliche Endpunkt jedes Spaziergangs.
Mittags wird alles langsamer, weil die Hitze die Stadtteile leiser macht. Dann fallen mir eher Strukturen auf als „Sehenswürdigkeiten“. Die Region hat so eine doppelte Oberfläche. Vorn wirkt alles glatt und urlaubsmäßig, dahinter wird es schnell rauer, echter. Ich biege in Seitenstraßen ab, suche kühle Durchgänge, lasse mich vom Licht führen. Und irgendwann entstehen diese kleinen Szenen, die ich am meisten mag. Jemand sitzt im Türrahmen und schaut einfach nur. Ein Paar diskutiert leise und muss dann doch lachen. Ein Ladenbesitzer kehrt den Tag aus dem Bild. Genau diese Details sind für mich das, was bleibt, weil sie nicht gemacht wirken.
Abends kippt die Stimmung komplett. Das Licht wird weicher, die Schatten werden länger, und plötzlich sieht selbst das Unscheinbare nach Film aus. Ich fotografiere dann langsamer, weniger hinterher, mehr mit Geduld. Die Küste wird zu einem Band aus Geräuschen. Gläserklirren, Musik irgendwo weiter hinten, Roller, die kurz durchs Bild schneiden. Zwischen dem letzten Tageslicht und den ersten Laternen passiert oft genau der Moment, wegen dem ich überhaupt losgefahren bin. Keine perfekte Postkarte, sondern eine Sammlung aus Bildern, die später immer noch warm wirken, wenn man sie sich anschaut.
Costa del Sol (ES), 2025
